Prof. Dr. Franz Hörmann „Das Ende des Geldes“ Interview

Franz Hörmann ist ja Rheingolder und beschäftigt sich in einem internationalen Netzwerk intensiv mit den Fehlern des alten Geldsystems. Er hat Lösungsvorschläge erarbeitet, die sich sehen lassen können und in diesem Interview dargelegt werden.

Nicht als Kurator des Rheingold Projekts, sondern als private Persona möchte ich mich dazu äußern, da m.E. das Rheingold teilweise identische, teilweise differente Lösungsmöglichkeiten anbietet.

Ich teile Hörmanns Position, daß Geld kein Geld-Ding ist und als solches keinen „inneren“ Wert hat und auch nicht haben sollte. Selten, aber sehr schön, wenn das aus der Zunft der „Experten“, also der Wirtschaftswissenschaftler einmal zu hören ist.

So spricht Professor Hörmann konsequent nicht von einem ominösen „Wert“ des Geldes, sondern ausschließlich von  der Kaufkraft des Geldes. So ist es auch beim Rheingold. Rheingold hat keinen Wert, soll auch keinen haben, sondern ausschließlich Kaufkraft, ist aber selber in sich wertlos. Das ist deswegen wichtig, damit das Rheingold uns als Tauschmittel dienen kann. Hätte es Wert, könnte es wie Gold, Muscheln, Zigaretten, Silber und Glasperlen selber zu einer Ware werden und um seiner selbst willen wertgeschätzt werden und so als Tauschmittel versagen. Wir Rheingolder glauben, daß nicht das Geld, sondern, daß wir wertvoll sind und daß wir uns gegenseitig wertschätzen und so Geld nur dafür nutzen.

Franz Hörmann entwickelt nun die Idee einer rein elektronischen Währung, die von einer staatlichen Behörde im Wege der Verschuldung seiner Bürger zugeteilt wird. Da wir ja bereits wie Vieh durchnumeriert sind, könnte diese Nummerierung (Sozialversicherungs- oder Steuernummer) genutzt werden, um uns von Sozialministeriums Gnaden eine von oben bemessene Kaufkraft zuzuteilen.

Rheingold geht hier einen fundamental anderen Weg: Eine elektronische Währung ist nicht anonym. Deswegen lehnen wir bargeldlose Zahlungsmittel ab, da sie schnell weiteren Begehrlichkeiten der Kontrolle von oben nachgeben werden.
Schnell kann das von Hörmann vorgeschlagene Geld als Datenquelle genutzt werden, um unerwünschtes Verhalten jedweder Art einer besonderen Behandlung zu unterziehen (unerwünschte Bücher, falsches Einkaufsverhalten, falscher Energiekonsum, das läßt sich endlos weiterspinnen).

Hier und da wird es in dem Interview aus meiner persönlichen Sicht hochgefährlich, bereitet Franz Hörmann unter dem Deckmantel einer Kritik am herrschenden Geldsystem genau den Plänen des herrschenden Geldsystems den Weg, die bereits in der Bibel in der Offenbarung des Johannes als Schreckensvision angekündigt wurden.

Und es macht, daß die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte allesamt sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, daß niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tiers oder die Zahl seines Namens.

Die Gefahr der totalen Kontrolle, die sich in der Offenbarung des Johannes noch auf das Kaufen und Verkaufen beschränkt, weitet Professor Hörmann konsequent aus auf die Produktionssphäre und spricht von erwünschten und unerwünschten Tätigkeiten, die durch ein zentrales elektronisches Verschuldungssystem von oben gesteuert und gelenkt werden kann.

So entwirft er ein globales, gesamtgesellschaftliches Modell der erzwungenen Kooperation der „Produktivkräfte“ von oben, die die kapitalistische Konkurrenz-Produktionsweise des alten Geldes transzendiert.

Ich stimme persönlich zu, daß ein Geldsystem, das auf Schulden aufbaut, Zins und vor allem dessen beständige Tilgung erzwingt, zu einem Verdrängungswettbewerb führt, bei der nur noch die Kapitalkräftigsten gewinnen. Das Endergebnis des Kapitalismus (eigentlich Privat-Kapitalismus) ist dann mit dem Endergebnis des Kommunismus (eigentlich Staats-Kapitalismus) identisch. Eine kleine Oligarchie beherrscht alles. Es sind ja bereits jetzt nur noch eine Handvoll Firmen, die alle industrialisierten Nahrungsmittel produzieren, aller scheinbaren Logo-Vielfalt in den Supermärkten, die auch nur noch immer weniger werdenden global agierenden Großkonzernen gehören, zum Trotz.

Erinnern möchte ich, daß die ursprüngliche Bedeutung von „Konkurrenz“ sich aus dem lateinischen herleitet und nicht Verdrängung oder Beseitigung des Mitbewerbers bedeutet, sondern schlicht con=zusammen currere=laufen. Die nicht durch das alte Geldsystem pervertierte Bedeutung von Konkurrenz bedeutet also, beispielsweise auf dem Markt zusammenzulaufen, um sich und seine Produkte durch seine Mitmenschen wertschätzen zu lassen. Mehr nicht.

Es gilt also, das alte Geldsystem so wieder vom Kopf auf die Füsse zu stellen, daß die ursprüngliche Bedeutung von Konkurrenz wieder zum Tragen kommt. Rheingold leistet das.

Weiter entwirft Professor Hörmann ein pyramidales Gesellschaftsbild, in der -nicht mehr konkurrierende- Firmen vereint nach Maßgaben einer höheren Stelle (der Hohe Rat der Material-Wissenschaftler) die von noch weiter oben als „nützlich“ befundenen Dinge herstellt. Auch die Hohen Räte der Wissenschaftler werden von einer noch höheren Stelle für ihre „Kreativität“ belohnt, was auch immer diese ungenannte Höhere Instanz darunter verstehen mag.

Rheingold geht den Weg konsequent von unten. Es ist der Leistende selbst, der sein eigenes Rheingold schöpft und im Verbund mit anderen Leistenden herausgibt. Ein Hoher Rat, der sich selber für erleuchtet hält und uns da unten konditionierte Kaufkraft zuteilt, lehnen wir ab und haben wir auch nicht nötig.

Interessant empfand ich auch die Fragen des Interviewers, weil sie aufzeigen, wie tief die Ideologie des alten Geldes unsere Bewußtseine bestimmt.

Zu Recht fragt er, ob das Ende der Armut nicht auch das Ende des Reichtums bedeute.

Richtig: Würden wir alle unsere Einkommen auf HartzIV senken, hätten wir im übrigen nach allen Regeln der Wirtschafts“wissenschaft“ die Armut erfolgreich abgeschafft.
Über 8 Millionen HartzIV-Empfänger sprechen eine deutliche Sprache, daß wir auf dem besten Weg dorthin sind, da brauchen wir gar kein neues Geld für, das schafft der Euro auch so.

Deswegen plädiert Rheingold weder für die Abschaffung der Armut, noch für Reichtum. Wir wollen Wohlstand für alle erreichen und entwinden uns so aus der scheinbaren Zwangsdialektik des Kapitalismus mit seinen erfundenen Klassengegensätzen.

Auffallend ist, wie auch Dr. Hörmann die Verschuldungsproblematik betont, ohne auf die Vermögensproblematik hinzuweisen. Zu Schulden gehören immer zwangsläufig Gläubiger, haben wir also „zuviele“ Schulden, haben wir notwendigerweise „zuviele“ Geldvermögen. Gesamtgesellschaftlich ist die Bilanz immer Null. Es gibt also beim alten Geld kein Netto-Geld, kein Geld-Ding.

So kann auch der Interviewer sich angstvoll vor dem Erfolg des Hörmann-Geldes fürchten, zaubert er ihm doch die Illusion eines Gelddings weg. Der Interviewer sorgt sich um sein Erspartes, das er „auf der hohen Kante“ liegen habe.

So kann dem Interviewer nicht bewußt werden, daß sein Geldding, das irgendwie auf hohen Kanten herumliegt, in Wahrheit die Schulden seiner Mitmenschen sind, unerlöste Schulden, die seine Mitmenschen nun nicht mehr tilgen können, obwohl sie es beim alten Geld beständig tilgen müssen.

Diese manifeste Asozialität kann überhaupt nicht erkannt werden, solange altes Geld nicht als Verschuldung, sondern als Ding begriffen wird. Geld als Ding ist ein Irrglaube, mit dem Professor Hörmann dankenswerterweise aufräumt.

Hier das eingebettete Video:

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10 Antworten zu Prof. Dr. Franz Hörmann „Das Ende des Geldes“ Interview

  1. Franz Hörmann schreibt:

    Leider wieder ein totales Missverständnis! Viele Anhänger alternativer Währungen fühlen sich leider „vom System“ verfolgt und denken, wenn jemand von Transparenz und Kontrolle spricht sofort an den „Big Brother“. Tatsächlich geht es aber um die Kontrolle des Netzes durch das Netz, also durch seine Teilnehmer. Wenn die Hierarchien verschwinden, und genau das geschieht ja schon jetzt durch die „Vernetzung auf Augenhöhe“, dann wird nicht mehr „von oben“ belohnt, sondern die Community selbst bestimmt GEMEINSAM den „Wert“ (im Sinne von Kaufkraftprämie) für kreative, gemeinschaftsnützliche Leistungen. Diese Abstimmung und ihre Ergebnisse ist aber natürlich für alle transparent. So müsste das laufen. Schade, dass dies immer wieder missverstanden wird!

    • C schreibt:

      I was wondering if there is a transcript for this interview, i could use the english subtitles but im not sure if its correctly translated. This man describes our awakening path towards universal co-existance, it is a jewel of an interview that many people in different countries should hear/read/understand. I would therefore appreciate any info concerning the transcript as i would like to translate it in various languages. The book is of-course a must.
      Thank you.

  2. Hägele, Hermann schreibt:

    Über Geld habe ich bereits während meiner Kriegsgefangenschaft 1945-1947 ein bisher unveröffentlichtes Manuskript (zunächst auf Papierschnitzel) verfasst. Später weitere 7 Bücher (neben meiner Arbeit als …….) geschrieben. Besonders 1987 und auch 1998, welche sich mit dem Euro beschäftigen. Ich bin im neunzigsten Lebensjahr und wenn es mir möglich ist, werde ich am 10.06. nach Liezen zu Ihrem Vortrag kommen.
    Mit freundlichem Gruß
    Hermann Hägele

    (Intern) E-Mail Adresse angepasst

  3. Johanna Rusch schreibt:

    Jetzt sehe ich auch die Zusammenhänge mit dem Schuldgeld anders, bisher habe ich das aus dieser Perspektive nämlich Sparguthaben sind gleichzeitig Schulden eines Anderen, ja, einfach nicht erkannt. Danke Herr Prof. Hörmann!

  4. Rosenberger schreibt:

    Das Ende vom Geld steht unmittelbar bevor. Es wird das größte revolutionäre Ereigniss, daß die Menschheit jemals erlebt hat.
    Jeder Bürger/In sollte sich DRINGEND damit auseinandersetzen!

  5. Frank M. schreibt:

    @ Franz Hörmann

    Ich habe diese Idee schon einmal vor ca. 6 Monaten gehört, und habe Sie grundsätzlich, als nicht durchführbar, für mich abgelehnt. Nun habe ich vor ein paar Tagen das Interview mit Michael Vogt im Alpenparlament gesehen, und ich war total begeistert. Es ist doch erstaunlich, wie sich Ansichten durch Hintergrundwissen verändert, scheinbar unbemerkt. Jedes Auto fährt mit Wasser, es gibt Raumenergiekonverter, jeder könnte seinen Strom zu Hause selbst erzeugen u.s.w., wenn nicht das Profitdenken einzelner, uns auf eine Bühne schickt, die der Realität 100 Jahre zurückliegt. Das Denken an Mehranspruch und Machtausübung behindert jede Freiheit und jede vernünftige Handlung, und verwandelt zudem unseren Planeten in eine Müllhalde! Die Menschen könnten mit dem „Verlust des Geldes“ Ihre Freiheit gewinnen, die auch freie Energie mit einschließt. Ein guter Gedanke, einer Arbeit für eine Gemeinschaft nachzugehen, die einen Spass macht (Ich habe das Glück)! Franz, ich hoffe du bleibst uns mit dieser Idee erhalten, und hilfst bei der Umsetzung, denn ich glaube, es wird viel Widerstand geben. Als Danke, und natürlich auch aus Interesse, werde ich mal in Dein Buch schauen. LG > Frank aus Berlin

  6. Xylophilon schreibt:

    Da gab es mal einen, der hat 3 Bände über das Kapital verfasst und den Kapitalismus haarklein wissenschaftlich analysiert. Aber offensichtlich sind 150 Jahre später selbst Universitätsprofessoren einfach noch zu dumm, die Genialität dieses Werkes zu erfassen. Dabei würde gerade dieses und nur dieses konsequent angewandt zu einer wirklichen geldlosen Gesellschaft führen. Aber es ist ja viel rumreicher, das Rad neu zu erfinden und dafür gefeiert zu werden.

  7. Frank M. schreibt:

    @ Xylophilon
    Jede Gesellschaftsform, welche aus einem Zwang heraus umgesetzt wird, ist ganz einfach falsch, auch wenn Sie noch so gut gemeint wäre! Zwang erfordert immer Macht, um den Status Quo zu erhalten. Wir brauchen, so glaube ich, eine Plattform, in der mehrere Gesellschaftsformen möglich sind und nebeneinander existieren können. Erst dann haben Menschen die Wahl, auf einer freiwilligen Basis, Ihre Form des Zusammenlebens frei zu entscheiden. Nur diese Plattform bietet unsere „demokratische“ Gesellschaft nicht! Sie erfordert zumindest in Ihren Grundzügen eine Abschaffung aller Monopole, auch das Monopol der Geldentstehung von Privatbanken. Als zweiten sehr wesentliches Punkt würde ich die Rückführung von Grund und Boden ansehen, als gemeines, unveräußerliches Eigentum. Alles andere wäre eine Frage der Zeit, den die Menschen brauchen, um sich idiologisch von einer materiellen Weltanschauung zu lösen.

  8. Xylophilon schreibt:

    „Die demokratischen Kleinbürger, weit entfernt, für die revolutionären Proletarier die ganze Gesellschaft umwälzen zu wollen, erstreben eine Änderung der gesellschaftlichen Zustände, wodurch ihnen die bestehende Gesellschaft möglichst erträglich und bequem gemacht wird.“ (Marx in seinem Rundschreiben an den Bund der Kommunisten) Eure Flickreförmchen verleihen dem bestehenden Gesellschaftssystem nur neue Stützen und verzögern die ohnehin unumkehrbare Katastrophe. Das ist dann ein Schrecken ohne Ende. Narren!

  9. Tony Katz schreibt:

    Ähnlich wie der Rheingold-Blogger nimmt auch Peter Fitzek Prof. Hörman „auseinander“. http://www.neudeutschland.org/index.php/Augen%C3%B6ffnende_Filme.html
    Die schreckliche Idee vom Prof. Hörmann ist für mich die zentrale Steuerung und die zentralen Vorgaben mit effektiven Sanktionsmöglichkeiten. Was hat das mit Freiheit zu tun? Dann lieber (nur) den Zins abschaffen (eine Gewinnbeteiligung ist etwas anderes). Wenn oben schon eine Warnung aus der Offenbarung zitiert wird, dann möchte ich auch etwas zu bedenken geben: „die GeldGIER ist eine Wurzel allen Übels“. Also, das unbedingte „ich muß haben wollen“. Geld ansich ist doch neutral (schön wärs, wenn es kein zentral gesteuertes Geld wäre), es kommt darauf an, wer damit, was macht. Schlimmer noch: wer sich des Geldes (ehrlicher Arbeit!) anderer Menschen „bedient“ (ermächtigt).

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