Staatsschulden in Europa – Wann kommt es zum Knall?

Selbst Spiegel/BILD berichten schon, daß es mit dem Euro bald knallen wird und überlegt wird, daß Griechenland den Euro wieder abschafft.

Wir sollten uns erinnern, daß beim alten Geld alles Geld durch Verschuldung entsteht und durch Tilgung wieder verschwindet. Das bedeutet logischerweise, daß Schulden=Vermögen sind. Denn zu jeder Schuld gibt es einen Gläubiger.

Wir können also zu Recht nicht nur von einer Verschuldungskrise sprechen, sondern müssen von einer Vermögenskrise sprechen. Haben wir zuviele Schulden, haben wir notwendigerweise zuviele Vermögen. Eigentlich doch ganz einfach.

Wie kommen denn nun Staatsschulden zustande? Auch das ist ganz einfach:

Die Staatsschulden ergeben sich aus den privaten Einnahme-Überschüssen (dem Gesparten) und dem Saldo des Außenhandels. Da es in jedem Land Europas eine positive private Sparquote gibt, muß dies der Staat durch Verschuldung ausgleichen, wenn das System nicht in die deflationäre Depression rutschen soll.

Dieser Bedarf an Verschuldung ist um die Außenhandelssalden zu bereinigen

ex post gilt

Staatsverschuldung ergibt sich zwingend aus den privaten Einnahmeüberschüssen abzüglich der Exportüberschüsse.

Wer das nicht glaubt, kann sich das hier von der Deutschen Bundesbank bestätigen lassen:

http://www.bundesbank.de/download/statistik/stat_sonder/stats04.pdf/#page=17

Also hier mal das exakte Beispiel für Deutschland im Jahre 2009 – alle Angaben in Euro

Einnahme-Überschüsse

150,1 Milliarden – private Haushalte und Einzelunternehmen
19,87 Milliarden – nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften-
29,01 Milliarden – finanzielle Sektoren

198,98 Milliarden – Summe Einnahme-Überschüsse

119,66 Milliarden – Exportsaldo

79,32 Milliarden – Restgröße Staatsverschuldung

Ohne Exportüberschüsse hätte die deutsche Staatsverschuldung also bei gleichen privaten Netto-Sparplänen bei 198,98 Mrd. gelegen. Hier liegt natürlich der Punkt, wo man sich über die “ex ante”(vorher) Gültigkeit dieser “ex post”(hinterher) Analyse streiten kann.

Da aber bei drohender Unternachfrage das private Angstsparen eher zunimmt und die private Verschuldung schon aus Gründen der Kreditverfügbarkeit abnimmt, werden Effekte aus geringeren Sparmöglichkeiten der Unternehmer offensichtlich mehr als ausgeglichen.

Und genau dies sehen wir jetzt in den PIIGS, der Exportweltmeister Deutschland saugt den PIIGS die Liquidität aus, die privaten Verschuldungsmöglichkeiten brechen zusammen, Kontraktion der Wirtschaft und damit der Steuereinnahmen. Zweistellig Staatsschuldenquoten erhöht durch die Importüberschüsse, Zusammenbruch der staatlichen Kreditwüdigkeit.

Der Rettungsbedarf wird zu Schuldzuweisungen führen und das kann schnell in einen Bürgerkrieg ausarten.

Jetzt kann man hoffen, daß in allergrößter Schnelle die zuständigen Herren noch einmal in Wirtschaftswissenschaften nachsitzen und Saldenmechanik lernen oder sich wenigstens die bei den meisten Volkswirten unbekannte Erkenntnis aneignen, daß Schulden=Vermögen sind.

Oder man kann sich mit ausreichend Rheingold ausstatten, damit, wenn unser fehlkonzipiertes Tauschmittel endgültig an die Wand fährt, wir dennoch arbeitsteiliges Wirtschaften organisieren können.

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6 Antworten zu Staatsschulden in Europa – Wann kommt es zum Knall?

  1. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Unser Geld bedingt den Kapitalismus, den Zins, die Massenarmut, die Revolte und schließlich den Bürgerkrieg, der zur Barbarei zurückführt. …Wer es vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen.“

    Silvio Gesell

    „Wenn jemand nicht zuerst das Wasser kennt, kennt er nichts. Denn was nützt es ihm, wenn er darin getauft wird? Wenn jemand nicht weiß, wie der wehende Wind entstanden ist, wird er mit ihm hinweggeweht werden. …Jemand, der nicht kennen wird die Wurzel der Schlechtigkeit, ist ihr kein Fremder.“

    Jesus von Nazareth (nicht in der Bibel zu finden)

    Wo wir heute vielleicht schon sein könnten, wäre die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft = freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) bereits 1916 verwirklicht worden, kann bestenfalls erahnen, wer die „Großen Vier“ (Heinlein, Asimov, Lem, Clarke) vollständig gelesen hat.

    Wo die Menschheit aber heute wäre, hätte es die „heilige katholische Kirche“ nicht gegeben, sprengt jedes Vorstellungsvermögen. Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:

    http://www.deweles.de/willkommen.html

  2. Klaus schreibt:

    Hässlige Kinder

  3. Dennis schreibt:

    Bin verwirrt…

  4. hqrg schreibt:

    bitcooooin!

  5. Kapp schreibt:

    Bevor das System an die Wand fährt, müssen noch ausreichend Sachgüter auf die Seite der Finanzmacht verteilt werden. Das „Geld“ interessiert ja im Grunde keinen… Die darin verbrogene „Schuld“ ist der interessante Hebel.
    Das geht aber nur, wenn sich nicht zu viele „staatliche“ Rechte gegen das im Grunde wertlose Geld und zwischen das Volksvermögen (wenn es sowas überhaupt noch geben sollte) und die Gläubiger stellen.

    TTIP ist so ein Projekt, mit dem Schulden „versachlicht“ werden sollen.
    Hier bei Meister Genreith fand ich aktuell einen guten Beitrag dazu (it’s not all about the „Chlorhühnchen“!):
    http://tandemvipera.blogspot.de/2014/10/ttip-die-tolldreiste-detroitisierung.html

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