Wir trauern um den Rheingolder Ulrich Brall

Ulrich Brall († 22.11.13) wirkte 42 Jahre lang als Musiklehrer und Chorleiter des 1545 gegründeten altsprachlichen Görres-Gymnasiums an der Düsseldorfer Kö. Er prägte somit also ganze Schülergenerationen.
Mit dem Oberstudienrat Franz-Josef Reitz (Latein/Griechisch) war Ulrich Brall (Musik) mein wichtigster Lehrer an dieser Schule.

Ulrich Brall

Ulrich Brall

Die Rheinische Post zitiert Ulrich Brall:
„Wer von euch nach Venedig kommt und die Assunta ignoriert, ist unwürdig, dereinst das Angesicht Gottes zu schauen.“ Der markerschütternde Satz fiel stets in den Herbstferien, wenn der Chor des Düsseldorfer Görres-Gymnasiums und der Hofkirche St. Andreas zu Konzerten nach Venedig fuhr und in Santa Maria Gloriosa dei Frari Station machte. Dort hängt „Mariä Himmelfahrt“ (die „Assunta“), das größte Ölgemälde Tizians. Ihr hingebungsvollster Verehrer war Ulrich Brall, der Chorleiter. Quelle

Was bedeutet denn „Assunta“?

Das Fest der Himmelfahrt wurde schon im 5. Jahrhundert im Orient gefeiert. Später fand es auch im Okzident, anfangs unter dem byzantinischen Namen Koimesis (Dormitio) Verbreitung.
Aus diesem Begriff entstand die lateinische/ italienische Assumptio.
In der christlich- katholischen Glaubensauffassung steht Maria aufgrund ihrer Unempfänglichkeit gegenüber der Sünde, ihres gnadenvollen Daseins und ihrer göttlichen Mutterschaft die Aufnahme zu. Dies nimmt der päpstlichen Auffassung folgend die Erlösung der Menschheit vorweg.

Wie sieht denn die Assunta aus?

Tizian Mariä Himmelfahrt Assunta

Tizian Mariä Himmelfahrt Assunta

Wikipedia dazu:
„Bei dem gesamten Gemälde handelt es sich also um ein sehnsüchtiges Drängen nach oben. Dies entspricht dem Dogma der körperlichen Aufnahme Mariens in den Himmel.

Ihre Aufwärtsbewegung wird außerdem noch durch die Armbewegung des gestikulierenden Apostels verdeutlicht. In diesem Gemälde strebt alles auf Maria zu, sowohl die heiligen Männer als auch das jubelnde Spiel der Putten finden ihren Mittelpunkt in der Figur Mariens.

Maria hat ihre Arme in Richtung des Gottvaters geöffnet, jedoch ist sie gleichzeitig eine ruhende Erscheinung. Sie ist der Mittelpunkt dieses Bildes. Dadurch, dass sie nicht etwa nach oben schwebt oder hinaufstürmt, entsteht der Eindruck, sie würde nach oben getragen, während sie sich selbst ganz normal bewegt. Allein die Mutter Gottes ist in diesem von Bewegung durchströmten Gemälde mit der Fülle und Identität eines Einzelwesens ausgestattet.

Somit stellt sie einen Kontrast gegen ihre bewegte Umgebung und vor allem gegen die Traube von Engeln dar. Durch sie wird die Antithese von Masse und Individuum besonders deutlich.“

Wie beschrieb der Kunsthistoriker Carlo Ridolfi dieses Meisterwerk?

Zitat
„…nach kurzem Todesseufzer fährt Maria zum Himmel auf, um dort als Königin die Krone der ewigen Herrlichkeit zu erhalten. Dort, in den Strahlen des immerwährenden Lichts, erwartet Gott die Erwählte an der Schwelle zur Ewigkeit, welche als Boden die Sphären und als Dach die Schönheit des Empyreums hat, umgeben von den Himmelsgeistern und begleitet von der Musik seliger Sänger.

Liebkost von sanftem Windhauch, geschmeichelt von der Sonne, mit der Natur als Dienern und auf einer leuchtenden, von zarten Kindern erhobenen Wolke, schlägt Maria die glückseligen Himmelswege ein; und umso majestätischer ist das Gespränge, als ihr der von zwei Engeln gehaltene Ewige Vater begegnet.“

Über den Link unten ist Ulrich Brall als Dirigent in der St. Andreas Kirche in Düsseldorf zu sehen:

▶ 1/4 Choeur et orchestre de Düsseldorf à Saint-Malo 2009 – Vidéo Dailymotion.

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