Der Spiegel meldet Untergangsphantasien des Euro

Phantasievoll war der Spiegel noch nie, dafür aber interessegeleitet. Das Interesse seiner Leser vertritt er womöglich schon lange nicht mehr, dafür ist er üblicherweise sehr gut informiert, was in der EU hinter verschlossenen Türen so alles beschlossen wird.

So langsam wachen sogar Wirtschaftsfachjournalisten beim Spiegel auf. Das ist ja schon mal gut. Bedauerlich ist es, wenn sich dort der Journalist an die Vorgaben bestimmter Lobbys halten muß, um gründlich deszuinformieren.

Im Netz gibt es ein Forum erfahrener Börsenprofis, genannt das Gelbe Forum. Dort hat sich ein Leser die Mühe gemacht, die gröbsten journalistischen Schnitzer dieses ehemaligen Nachrichtenmagazins zu  kommentieren.

Hier der Text: (die kurzen Spiegelzitate in kursiv)

Der gespiegelte Preis des Ausstiegs

Ein Requiem

Die Warnzeichen mehren sich, die Unruhe wächst:

So so, spaet kommt Ihr doch ihr kommt, Graf Isolan.

Die britische Finanzaufsicht weist Banken bereits an, sich auf ein mögliches Ende der Euro-Zone einzustellen.

Not before time as we British say

Deutsche Anleger stoßen massenhaft Derivate ab, weil sie das Vertrauen in die Papiere verloren haben.

Wussten vorher nicht, wie die funktionieren, da ist jeder Zeitpunkt der richtige.

Erstmals, so scheint es, wird quer durch Europa ernsthaft ein Untergang des Euro, wie wir ihn jetzt kennen, für möglich gehalten …

In der Tat, davor war es nicht quer, sondern eher senkrecht – nur eine Elite der weiter Vorausdenkeden.

Hal Scott bezifferte [1998] die Chance eines Euro-Aus mit etwa zehn Prozent. … Nouriel Roubini … bezifferte die Wahrscheinlichkeit des Euro-Aus kürzlich auf 45 Prozent.

„Auf beziffern“ – da hat’s ihm gar die Sprache verschlagen. Man spricht immer noch nur gebrochen Deutsch in der Welt. Aber ernsthaft: es gibt fuer solche Ereignisse keine Prozent-Wahrscheinlichkeiten. Oder mal so herum: ich bin zu 50% Wahrscheinlichkeit eine Frau. Doch, doch, ich habe Feldstudien getrieben.

Grundsätzlich ist ein Zerfall des Euro-Raums möglich.

Nein, wat et nich allet jibt. Das hatte nicht mal Caesar vom roemischen Reich geglaubt.

Ein Austritt aus der Währungsunion ist in den Verträgen rechtlich gar nicht vorgesehen …

Genau, ebensowenig wie der Rettungsschirm. Wenn mein Vermieter nicht heizt, kann ich die Miete kuerzen oder irgendwann ausziehen. Wenn die Griechen meine Euros verheizen, auch.

möglich ist nur der Austritt eines Landes aus der gesamten EU

Ganz meine Meinung – bloss keine halben Sachen!!!

So ein Austritt würde aber viel Zeit kosten

Tatsaechlich? Ungefaehr solange, wie es dauert, die Parlamentsbueros in Bruessel und Strassburg zu raeumen? So, sagen wir, zwei Wochen?

Das betreffende Land würde also angeschlagen in seine neue Unabhängigkeit starten.

Genau, wer ein Krankenhaus wegen Ansteckungsgefahr vorzeitig verlaesst, dem sagen sie auch immer sowas. Ist aber meist gesuender.

Offen wäre auch, was mit den Schulden eines Landes geschieht, wenn es die Euro-Zone verlässt.

Nun, nun, bei mindestens 26 von 27 EU-Mitgliedern ist das auch beim Verbleib in der EU anscheinend unsicher, sonst gaebe es die Turbulenzen ja nicht!

Bei Gründung der Währungsunion wurden solche Schulden in Euro umgewandelt.

Wer hat denn das erfunden? Die Schwyzer? Wer einen vertragswidrigen „haircut“ durchziehen kann, kann auch andere Klauseln aendern!

Während Deutschland laut DekaBank nur 0,2 Prozent seiner Schulden nach ausländischem Recht emittiert hat, sind es in den Niederlanden knapp 40, in Portugal sogar 60 Prozent.

Ob das nicht eher wegen der angeschlagenen Bonitaet war?

Wird eine Währung abgeschafft, gibt es immer Opfer …

Tja, als ob es seit mindestens vier Jahren nicht schon mehr Opfer gegeben haette, als ohne Einfuehrung des Euro je denkbar gewesen waeren?

Deshalb ging das Ende von Währungsunionen in der Geschichte meist mit Unruhen oder sogar Bürgerkrieg einher.

So ein Quatsch!!! Die Unruhen waren vorher, weil man nicht austrat! Warum nicht vorher austreten und damit endlich einmal, weil man aus Geschichte lernen kann, den schlimmsten Unruhen zuvorkommen?

Gewalttätige Massenproteste in Europa? Ein Alptraumszenario.

Ach ja, das hatten wir noch nie, nie, nie. De Gaulle floh nie nach Baden-Baden und es sind auch noch kein halbes Dutzend europaeische Regierungen gestuerzt worden. Nicht auszudenken, wenn bei einem Brand in einer griechischen Bank mal jemand sterben koennte! Das muss verhindert werden. Dr. Einstein, bitte eine Zeitmaschine!

Zugleich würde die EU ohne den Euro in der Welt schlagartig an Einfluss verlieren.

Als ob die Schweizer mit ihrem wenigen Einfluss in der Welt nicht eines der gluecklichsten Laender waeren!

Deutschland ist stolze Exportnation, rund 40 Prozent der Ausfuhren gehen in die Euro-Zone.

Genau, und bald gehen 45% in die Lira, Franc, Gulden- usw. -Zone. Fuer diese 5% Zuwachs gilt es jetzt zu kaempfen!

An diesem Dienstag sorgte die Meldung für Aufsehen, dass die deutschen Exporte erstmals die Marke von einer Billion Euro knacken.

Oder, inflationsbereinigt, erstmals 500 Milliarden DMark. Na ja. Die Importe haben aber bestimmt nicht zugenommen, gelle, … gelle? Hallo???

Die wieder eingeführte D-Mark dürfte gegenüber dem Euro deutlich aufwerten …

Klartext: endlich waeren die fuer uns als Exportnation so eminent wichtigen Rohstoffe aus dem Ausland billiger und wir koennten noch besser exportieren. Her mit dieser, wie hiess sie gleich? DMark.

doch es gibt einen Haken: Athen müsste wohl einen großen Teil seiner Schulden auch nach einem Austritt weiter in Euro abbezahlen. Durch die abgewertete Landeswährung Drachme würde das aber viel schwerer.

Nun, in Systemen denken ist nicht jedes Journalisten Sache. Besser also ist es, die Griechen zahlen sie in Euro gar nie zurueck, sondern ueberlassen das anderen?!

Eine entscheidende Frage lautet: Mit welchen Gesamtbelastungen müsste Deutschland bei einem Austritt aus der Euro-Zone rechnen? Der Ökonom Dirk Meyer hat ein Szenario entworfen, bei dem insgesamt Kosten von 250 bis 340 Milliarden Euro entstehen würden. Das wären stolze 10 bis 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Oder … deutlich weniger als der Anstieg unserer Staatsverschuldung durch Garantien fuer andere Euro-Laender, also … noch eine Ersparnis!!!

Würde ein schwaches Land wie Griechenland austreten, müsste es mit panikartigen Reaktionen seiner Bürger rechnen.

Natuerlich, ich sehe es ein, was derzeit in Griechenland abgeht, Tote in brennenden Banken, Verzweifelte, die sich mit HIV infizieren, um mehr Sozialhilfe zu bekommen, Menschen, die als Eltern ihren Kindern eine unbeschwerte Zukunft in SOS-Kinderdoerfern ermoeglichen wollen und … ein paar, die gleich Selbstmord begehen aus Angst vor einem Euro-Austritt, das ist ja nichts, gar nichts gegen das, was diese lebenslustigen Griechen erst anstellen, wenn das Land echt austritt.

In Erwartung einer Abwertung würden wohl Hunderttausende Menschen ihre Konten räumen …

Statt nur wie bisher Millionen. Schrecklich, schrecklich.

Anschließend würden viele Leute versuchen, das Geld ins Ausland zu schaffen.

Oh Gott, und das von dem wenigen, was bis dahin noch im Inland ist? Beeindruckend. Wer so lange Artikel schreibt, hat keine Zeit mehr, welche zu lesen.

In diesem Fall müsste jeder Euro-Staat Wechselkurse für die neue Währung festlegen.

Nein, beaengstigend. Sowas kompliziertes. Schon mal was von konvertibler Waehrung gehoert?

Alle Europäer hätten dann plötzlich einen Anreiz, ihre verbleibenden Euro gegen eine starke Landeswährung einzutauschen.

Wenigstens besser als in Schweizer Franken oder US-Dollar, oder verstehe ich das falsch?

Außerdem würden Kapitalverkehrskontrollen auch dem Prinzip des gemeinsamen Marktes widersprechen – und damit die EU als Ganzes endgültig in Frage stellen.

Verstehe, verstehe, den Maastricht- und die roemischen Vertraege brechen dagegen ist nur ein Kavaliersdelikt. Aber wo wir jetzt schon Uebung haben, warum nicht auch das noch???

Das Original Posting im Gelben Börsenforum ist hier zu finden: bitte hier klicken

Der Spiegel Artikel im Originalwortlaut hier: bitte hier klicken

Leider haben wir keinen Einfluß auf die Leute, die jetzt über den Euro eine gigantische Vermögensumverteilung durchziehen. Wir können nur deren Sprachrohre wie Spiegel/BILD aufmerksam querlesen (siehe oben), um eine Ahnung davon zu erhalten, was uns hier bevorsteht.

Einige sind bereits schlau, rheingoldschlau, und verwenden, wo es irgend geht, Rheingold zum noch unvermeidlichen Euro. Das macht unabhängig und sichert Wohlstand.

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4 Antworten zu Der Spiegel meldet Untergangsphantasien des Euro

  1. TedMusic schreibt:

    selten so viel kumulierten Schwachsinn gelesen. Es reicht.

  2. Goldständer schreibt:

    Tolle Seite, weiter so! Meinen persönlichen Glückwunsch. An dieser Stelle möchte ich meinen Wunsch zum Frieden und zur Wahrheit äußern und all mein Wissen als Beitrag zur Verfügung zu stellen, damit alle Suchenden evtl. etwas brauchbares für sich finden können. Hier ein wichtiger Film für Euer Bewusstsein. Wir stehen vor großen Veränderungen! Mit bestem Gruss vom Goldständer
    http://www.goldstaender.com
    http://goldstaender.wordpress.com/tag/jetzt-knackt-das-ei-die-geburt-vom-bewustseinssprung/

  3. GG schreibt:

    Da war aber auch noch ein Gedicht davor – das könntet Ihr ruhig auch noch abkupfern …

  4. Daß sich jemand soviel Mühe mit dem Spiegel-Geschmiere macht… Hut ab! Ansonsten gilt: SPIEGEL lesen ist Zeitverschwendung, da man hinterher immer noch mindestens eine andere Quelle heranziehen muß, um zu prüfen, ob das stimmt, was da steht. Man nennt den SPIEGEL auch liebevoll „BILD am Montag“.

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