Geld, Segen und Fluch

(von Hans Eisenkolb)

Silvio Gesell (1895)

Fritz Schwarz gab seinem Hauptwerk den Titel: „Segen und Fluch des Geldes in der Geschichte der Völker.“ Er schrieb das auf Anregung Silvio Gesells und zeigte auf, daß Geld zwei Seiten hat. Auf der einen Seite machte es eine arbeitsteilige Wirtschaft möglich und eine Warenerzeugung, die über den Selbstbedarf hinausging und damit einen vorher unmöglichen Handel mit Austausch von Produkten der entstehenden Massenanfertigung möglich machte.

Dieser Segen des Geldes wurde aber bald durch seinen Gebrauch als Wertaufbewahrungsmittel gestört. Geld als anerkanntes Tauschmittel muß auch als Wertaufbewahrungsmittel verwendet werden können aber es darf kein besseres sein als die mit seiner Hilfe getauschten Waren im Durchschnitt sind. Ist es ein besseres Wertaufbewahrungsmittel, verschwindet es vom Markt als Tauschmittel und damit geraten die Waren unter zunehmenden Preisdruck.

Damit kommt eine Deflationsspirale in Bewegung, die auch durch Geldersatzmittel und Kredit nicht verhindert werden kann. Solch ständiger Geldmangel zerstörte viele Zivilisationen im Lauf der Geschichte. Wir wissen gar nicht wie viele es waren, denn das Ausbluten einer Wirtschaft zerstörte im Laufe der Zeit auch alle dauerhaften Zeugen der zu ihr gehörenden Zivilisation.

Auch unsere Zivilisation wird denselben Weg gehen, wenn wir das Geld nicht zum gleichwertigen Tauschmittel machen. Falsch wäre es aber, das Geld abzuschaffen, denn damit würde man die Arbeitsteilung abschaffen und die freie Preisbildung auf einem Markt auf dem auch der Wert des Geldes sich frei bilden kann. Das würde die Zivilisation genau so zerstören, weil dann eine andere Macht die Preise bestimmen muß.

Das Wesen des Geldes ist für den Großteil der Menschen nur in seiner Funktion als Tauschmittel von Bedeutung. Sie nehmen Geld nicht seiner selbst wegen an, sondern weil sie wissen, daß sie dafür andere Waren und Leistungen bekommen können. Geld ist für sie Zwischentauschmittel und sonst nichts. Normalerweise ist die Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel nur von geringer kurzfristiger Bedeutung bis zum nächsten Kauf meistens noch im Laufe desselben Monats. Bargeld längere Zeit im Sparstrumpf aufzubewahren fällt kaum jemand ein.

Pierre Proudhon

Da aber die Leute, die ihr Geld nicht als Tauschmittel gebrauchen müssen dafür Zinsen bekommen können, wenn sie es an diejenigen verleihen, die durch das Fehlen des Geldes auf dem Markt mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen haben, hat sich so Zins und Zinseszins als Riegel des Marktes, wie Pierre Proudhon es bezeichnete in den Warenaustausch eingeschlichen.

Die Leute verwenden deshalb auch das Geld als bevorzugtes Wertaufbewahrungsmittel und entziehen es dem Markt somit als Tauschmittel. Die Leute, die große Summen durch Zins und Zinseszins ohne Arbeit ansammeln können, tun alles um diesen für sie vorteilhaften Zustand zu erhalten und selbst die Kenntnis davon, daß ein anderes Geld diesen unhaltbaren Zustand beenden könnte, zu unterdrücken. Sie müssen das auch tun, denn diese Leute sind eine verschwindende Minderheit, deren Macht nur auf der Unkenntnis der breiten Masse über die wahren Zusammenhänge beruht.

Brakteat von Djupbrunns

Würden die ein Tauschmittel verwenden, das kaufkraftbeständig ist und keinen Zins erpressen kann, wäre es vorbei mit der Macht des Geldes. Es gab so ein Tauschmittel allerdings noch nie in der bekannten Geschichte. Wohl gab es umlaufgesicherte Gelder, wie die Brakteaten des Hoch- mittelalters und die Ostracca Altägyptens und anscheinend auch etwas ähnliches im alten Indien aber die hatten nie einen Wertstandard und wenn die Umlaufgebühr, wie bei den Brakteaten als Steuer mißbraucht wurde, bedeutete das ihr Ende.

Die Ostracca Ägyptens fielen wahrscheinlich der Monokultur zum Opfer. Es waren ja Getreidegutscheine. Was im alten Indien passierte, ist unbekannt und noch weniger wissen wir von anderen Zivilisationen, die in grauer Vorzeit untergingen. Wir sehen nur ihre hinterlassenen Wüsten. Die Historiker haben in den wenigsten Fällen ein Wissen über Wirtschaftsfragen und überliefern nur die Berichte der Herrscher über ihre Kriege.

Auch Fritz Schwarz war kein Wirtschaftswissenschaftler. Er hatte nur die Grundideen Silvio Gesells verstanden und die bekannte Geschichtsschreibung auf die wenigen Wirtschaftsftragen, die dort erwähnt wurden durchsucht. Karl Walker ging später etwas näher auf die Zeit der Brakteaten ein. Er hatte im Gegensatz zu Fritz Schwarz ein viel tieferes Verständnis der Wirtschaftsfragen.

Vielleicht interessieren sich manche Leute für diese geschichtlichen Zusammenhänge, aber praktische Versuche, welche die Zukunft verändern können, sollten doch wichtiger sein. Das einzige, was vielleicht wert ist untersucht zu werden, ist das, wie die elf armen Tempelritter so reich wurden durch ihre billigen Kredite und etwas aufbauten, das mit Gewalt unterdrückt werden mußte.

Vielleicht macht sich jemand die Mühe, es zu untersuchen.

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