Betrachtungen über Inflation und Wechselkurs

(von Hans Eisenkolb)

In vielen Fällen wird von Wirtschaftstreibenden und Politikern ein Wechselkurs, bei dem eine Währung unterbewertet ist als etwas so ähnliches wie ein Exportbonus angesehen und niemand macht sich große Sorgen deswegen.

Aber sie vergessen alle, daß auf die Dauer gesehen jedes Land genau so viel importieren muß als es exportiert. Was also auf der einen Seite ein Vorteil ist, ist auf der anderen ein Nachteil, erhöht Kosten und treibt damit die Binnenpreise in die Höhe. Auch das wird nicht unbedingt als Nachteil angesehen, weil ja leichte Inflation geschäftsbelebend wirkt.

Der Pferdefuß dabei ist aber, daß sich die Inflation nicht so leicht im Rahmen halten lässt und wenn der Wechselkurs sich langsamer an die veränderte Kaufkraftparität anpasst als die Inflation alle Preise (auch die Preise der Exportgüter) in die Höhe treibt, dann ist die Exportprämie durch Unterbewertung verschwunden und aus ist es mit dem Preisvorteil. Die Exportaufträge verschwinden und übrig bleibt nur die Inflation bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit in der Exportwirtschaft.

Die USA haben durch ein dauerndes Außenhandelsdefizit bei gleichzeitiger Überbewertung des Dollars, welche nur durch seine Stellung als Weltreservewährung gehalten werden konnte zwar billige Waren aus der ganzen Welt beziehen können, haben damit aber auch ihre eigene industrielle Infrastruktur ruiniert.

Wenn jetzt durch irgendeinen Grund, z.B. einen Börsenkrach das Geld von dort auf den Binnenmarkt kommt und da die Preise hochtreibt, dann gibt es auch für Dollars nichts Günstiges zu kaufen. Es gibt praktisch schon derzeit nichts mehr. Es fehlen die Waren, welche die Industrie erzeugen sollte. Die werden ja nun wo anders produziert.

Der Dollar wird nun zwar schlechter bewertet werden, aber sicherlich nicht schnell genug um das Handelsdefizit schnell genug zurückzufahren. Nur eines wird passieren: Die Amerikaner können nicht mehr so günstig kaufen und werden es deshalb nicht mehr tun. Nun kommen aber die Betriebe in den andern Ländern, welche ihnen bisher die billigen Waren geliefert hatten in Schwierigkeiten und müssen Arbeitsplätze abbauen und so kommt eine Weltwirtschaftskrise ins Rollen.

Es ist schon fatal. Was immer man tut, man macht etwas falsch. Und im Prinzip sind die mächtigen Nationalbanken und selbst die große Fed machtlos. Sie können zwar bestimmen, wie viel Zinsen für neues Geld bezahlt werden muß, aber das Geld welches schon draußen ist, und das sind mindestens 95% folgt seinen eigenen Gesetzen und auch der Zins der für Leihkapital bezahlt wird, ist nicht davon abhängig wie viel die Nationalbanken für neues Geld verlangen. Verlangen sie zu viel, nimmt es niemand.

Verlangen sie auch noch so wenig, wie derzeit in Japan und es gibt keine lohnenden & sicheren Anlagen dafür, nimmt es auch niemand und wer es nimmt ist alles aber kein sicherer Schuldner.

Die Zinsen sind aber nicht das einzige Problem. Da ist nun all dieses Geld in der Wirtschaft. Solange es als Guthaben auf irgendwelchen Konten liegt oder in Sparstrümpfen verwahrt ist, macht es nicht viel aus. Es wird ja nur dann für einen Kauf verwendet, wenn es vorher liquide gemacht worden ist: In der heutigen Zeit zumindest auf ein Girokonto umgebucht worden ist, obwohl für kleinere Beträge die Grenzen heute immer mehr verwischt werden. Der größte Teil liegt jedenfalls normalerweise irgendwo herum und tut nichts. Der kleinere Teil, nämlich der, welcher als Gehalt oder Arbeitseinkommen in die Hände der Menschen gerät, wird bis auf eine kleine Sparquote, die derzeit in den USA sogar schon negativ ist recht schnell wieder dem Wirtschaftsablauf zugeführt.

Das Problem ist mit dem größeren Teil: Der geht nur dann wieder dorthin, wenn es lohnende Anlagen gibt.

Das kann auf zweierlei Weise geschehen. Entweder der Geldbesitzer tut es selber oder er verleiht das Geld und dann tut es sein Schuldner. Volkswirtschaftlich macht das keinen Unterschied. Niemand wird sein Geld selber investieren, wenn er beim Ausleihen ohne Mühe auch so viel Einkommen haben kann, wenn er nicht zumindest dasselbe erzielt.

Es ist da sogar ein gar nicht so kleines Zinsgefälle zwischen Realzins auf dem Geldmarkt (d.i. Zins ohne Inflations- und Risikoprämie) und erwartetem Profit bei Realkapitalanlage notwendig um jemand dazu zu bewegen sein Geld zu investieren und noch mehr wenn sich jemand dafür sogar verschulden muß.

Das tun die Leute heute in Japan nicht einmal bei 0% Zinsen. Warum wohl nicht? Einfach! Wenn die Waren, die man mit Kredit kauft nicht mehr mit Profit verkauft werden können (oder Investitionen sich nicht mehr lohnen) kann man sich selbst mit 0% keinen Kredit leisten.

Dann gehen aber letzten Endes auch die Banken pleite, wie es gerade weltweit passiert.

Noch mehr zum Thema:
http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/article/nur-zwei-buecher

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Eine Antwort zu Betrachtungen über Inflation und Wechselkurs

  1. aloa5 schreibt:

    bis auf eine kleine Sparquote, die derzeit in den USA sogar schon negativ ist

    Das sollte die Sparquote welche die gesamte Volkswirtschaft darstellt sein. Es wird ja alles ausgegeben bzw. die Volkswirtschaft selbst verschuldet sich ja (wie ausgeführt) – und z.T. eben im Ausland (z.B. China oder Spanien) investiert weil es dort lohnender ist. Auch die Immobilien-Blase in den USA ist mit auf unsichere(!) Kredite zurückzuführen welche worauf beruhten?
    Wohl der Einkommensungleichheiten wie auch der IWF inzwischen in einem working paper festgestellt hat.

    Was ändert Freigeld an Einkommensungleichheiten und unsicheren Krediten (und damit Kreditausfällen)? Nichts. Wie dämmt es Geldabflüsse und Handelsüberschüsse/Defizite? Was ändert es an Immobilienspekulationen und aus der Finanzwirtschaft resultierenden Preisverzerrungen?

    Niemand wird sein Geld selber investieren, wenn er beim Ausleihen ohne Mühe auch so viel Einkommen haben kann, wenn er nicht zumindest dasselbe erzielt.
    Woraus resultiert das jemand bevor er einen unsicheren Kredit z.B. gegen Garantien/Sachwertverpfändungen vergibt lieber den Sachwert selbst erwirbt (und z.B. vermietet) oder gar keinen Kredit vergibt weil er ansonsten mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Totalausfall hat.

    Vulgo: in einem Freigeldland gäbe es keinen Kredit für ein Taxiunternehmen um sich ein Taxi zu kaufen sondern es würden Taxis gekauft und an Taxiunternehmen vermietet/verleast. Gleiches mit Maschinenparks, Innenausstattungen oder anderen Dingen. Die Vermögenskonzentrationen bleiben erhalten bis wenigen alles gehört.

    Gegenüber heute hätte sich nicht viel außer der Geschwindigkeit mit welcher dies geschieht geändert. Es würde nämlich schneller geschehen.

    Grüße
    ALOA

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