Weihnachtsgrüsse von einem Rheingolder

Horst Opper ist Fensterputzer und kümmert sich gerne (gegen Rheingold) um Ihre Fenster im Raum Düsseldorf.

Von ihm ist die folgende Weihnachtsgeschichte, in der es sich um Wurzelbürsten und Ankersteinbaukästen dreht. Kochzeiten werden in sorgfältig gebeteten Rosenkränzen definiert. Versunkene Welten.

Wir wünschen Gesegnete Weihnachtsfeiertage.

Advent

Advent sagt man, Advent sei die stillste Zeit im Jahr. Aber bei uns daheim war es keineswegs die stillste Zeit. In diesen Wochen lief die Mutter mit hochroten Wangen herum wie mit Sprengpulver geladen und die Luft in der Küche war sozusagen geschwängert mit Ohrfeigen.

Dabei roch die Mutter so unbeschreiblich gut. Überhaupt ist der Advent die Zeit der köstlichen Gerüche. Es duftet nach Wachslichter, nach angesengtem Reisig, nach Weihrauch und Bratäpfel.

Mich ereilten dann die qualvollen Stunden des Teigrührens. Vier Vaterunser für das Fett, drei für die Eier, einen ganzen Rosenkranz für Zucker und Mehl. Die Mutter hatte die Gewohnheit, alles Zeitliche in ihrer Kochkunst nach Vaterunser zu bemessen. Aber die mußten laut und sorgfältig gebetete werden, damit ich keine Gelegenheit fände, den Finger in den köstlichen Teig zu tauchen.

Am zweiten Sonntag im Advent stieg der Vater auf den Dachboden und brachte die große Schachtel mit dem Krippenzeug herunter. Ein paar Abende hindurch wurde dann fleißig geleimt und gemalt.

Immer am 21. Dezember, bedeutsamerweise am Tag des ungläubigen Thomas, mußte der Wunschbrief an das Christkind geschrieben werden, ohne Kleckse, sauber mit Farbe ausgemalt.

Zuoberst verzeichnete ich anstandshalber das, was ohnehin von selbst eintraf.
Fäustlinge, Hemd, Strümpfe. Darunter aber schrieb ich Jahr für Jahr mit hoffnungsloser Geduld den höchsten meiner Träume, nämlich den Ankersteinbaukasten.

Wenn mein Wunschzettel fertig war, mußte ich aus brüderlicher Liebe auch den Wunschzettel für meine Schwester schreiben.

Kurz vor dem Heiligenabend kam noch eine letzte Prüfung. Das Bad in der Küche.

Das fing ganz harmlos an, aber plötzlich fiel die Mutter mit der Wurzelbürste über mich her. Es half nichts, kein Gezeter und Geschreie. Erst in der äußersten Not erbarmte sich der  Vater und nahm ein bis zur Unkenntlichkeit enstelltes Kind in seine Arme.

Und das war für mich nun wirklich die stillste Zeit im Jahr. Wirkliche Stille und Frieden und Geborgenheit an seiner breiten Brust.

Dann sangen wir alle

„Am Weihnachstbaum die Lichter brennen“

Horst Opper

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Eine Antwort zu Weihnachtsgrüsse von einem Rheingolder

  1. Hildesvin schreibt:

    Nein, danke. Wir Heiden sind mehr für die Goldene Regel: Was du nicht willst, das man dir tu…
    Alice Miller selig beschreibt ja noch ganz andere Scherze: An einem Abend im Jahr in den Schuppen gesperrt, alsdann kommt die heilige Lucia vorbei, und wenn du nicht artig warst, kommt sie rein und schneidet dir mal eben den Schlund ab. Meistens hat sie aber doch darauf verzichtet.
    Des Knabenmörders Jürgen Bartsch Adoptiveltern waren auch nicht von ohne…
    Fünf Pater, fünf Ave – absolvo te!

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