Max von Bock ist Rheingolder

Max von Bock ist Rheingolder und hat diesen wirklich sehr sehenswerten Zeichentrickfilm über das alte Geldsystem gemacht, der in drei Teilen auf youtube veröffentlicht ist.

Aliens haben das Geld erfunden um die Erde und ihre Bewohner auszubeuten. 
„10 Punkte Plan zu effizienten Ausbeutung eines Planeten mit halbintelligenten Lebensformen“

Teil 1

Teil 2

Teil3

Max von Bocks filmische Darstellung des alten Geldsystems ist in meinen Augen die beste und schönste, die es derzeit gibt. Dennoch ist die Darstellung nicht in allen Details stimmig, wie der Rheingolder tar richtig feststellt.

Hier dessen Ergänzung:

„Wie funktioniert Geld“ enthält teilweise gravierende Fehler bei der Erklärung des heutigen, zweistufigen Geldsystems.

Fehler:

A) am Ende des 1. Teils wird behauptet, dass Banken Geld weitergeben:

– Geschäftsbanken vergeben Kredite
– Geld wird dabei eben nicht verliehen, sondern geschöpft
– weiterverliehen wird erst recht nichts, denn die Sichteinlage des Kunden A bleibt bei Kreditgewähr an Kunde B ja weiterhin bestehen

B) im 2. Teil wird das Zinssystem kritisiert und mit einer allgemeinen Kredit-Endzahlung erklärt, so dass bei diesem Beispiel die Zinsen vollständig fehlen. Dieses Annahme geht auf Marx zurück (500 reingeben, 600 rausholen) und ist einfach falsch!

Es läßt sich auf eine Einzelkreditbeispiel zurückführen: A nimmt Kredit von 100 zu 10% Zins, 1 Jahr Laufzeit. Wie tilgt er nun 110? Es ist unmöglich!

Führern mal eine realistischere Laufzeit ein: 2 Jahre: Der Zins wäre hier 15 (10% auf 100=10, dann auf 50=5). Was fällt nun auf? Die erste Zinsrate (10) verbleibt bei der Bank. Falls diese sie ausgibt (z.B. Lohnkosten) fehlt nun plötzlich nicht mehr der gesamte Zins, sondern nur noch die letzte Zinsrate (5).

Und nun mal zurück zur Realität: Da gibt es Millionen von parallel laufenden Krediten mit unterschiedlichsten Laufzeiten, Kredithöhen und Zinsraten. Erweitern wir das Beispiel mal um einen Teilnehmer:
– A nimmt also einen Kredit von 100, Laufzeit 2 Jahre, 10% Zins (10+5=15)
– B nimmt Kredit nach einem Jahr von 40, Laufzeit 2 Jahre, 10% Zins (4+2=6)

Es wird nun klar, dass die Kredithöhe in ihrer Gesamtheit nicht steigen muss. Hier wird der Zins von A eben durch den Kredit von B vollständig bedient, dieser dann von C usw. Die Gesamtkreditsumme kann absinken!

Es wird sogar noch gänzlich ohne Folgekredit möglich, den Zins vollständig zu bedienen und dabei den Kredit zu tilgen, wenn man die Zinszahlung an den Anfang der Kreditgewähr setzt. D.h. A nimmt Kredit von 100, Laufzeit 2 Jahre, 10% Zins und muss sofort innerhalb 1 Woche die komplette Zinszahlung leisten (=15). Jetzt muss die Bank diesen Zinsgewinn nur noch ausgeben. Da fehlt überhaupt nichts mehr!

Und hier wird auch das eigentliche Problem sehr deutlich: die Bank MUSS ihren Gewinn ausgeben, sonst kann A überhaupt nicht tilgen. Es liegt also immer am Sparer, dass sich Kreditrückzahlungsschwierigkeiten zwangsläufig ergeben müssen!

C) Das Beispiel des Josephpfennigs (286 Mrd. Erdkugeln aus purem Gold)

– falls es derart viel Gold gäbe, wäre es nicht mehr entsprechend wertvoll
– die für die Verzinsung notwendige Kreditausweitung hätte eine entsprechende Inflation und damit Guthabenentwertung zur Folge gehabt (abgesehen davon, dass die solvente Neuschuldnersuche nach 60-80 Jahren weitestgehend nicht mehr funktioniert)
– jede Guthabenverzinsung unterliegt dem Angebot des Verzinsers, d.h. die verzinsende Geschäftsbank hätte eben bei dieser Anlage und dem Verhalten des Sparers schon bei Zeiten insolvent gemacht
– also komplett unrealistisch, zur Verdeutlichung einer Exponentialfunktion aber durchaus nützlich

D) Anspruch auf Geld bei Hinterlegung von Geld (Gold)

Dies entspricht der Vorgehensweise bei Depositenbanken (Wilder Westen). Seit 1957 wird Geld aber durch einen Kredit erst geschöpft, d.h. die Einlage entspricht dem Kredit. Desweiteren wurde der Goldstandard 1973 aufgehoben (Bretton Woods).

E) Im 3. Teil wird auf die multiple Geldschöpfung eingegangen.

Der Geldschein bzw. das Bargeld, den der Bankhalter im Film bekommt, entstammt einem Kredit, den er selbst oder ein anderer Bankhalter bei der Zentralbank aufgenommen hat. Das Bargeld wächst nämlich nicht auf Bäumen 😉

Es ist also eine völlig falsche Darstellung, anfangs von einer EINZAHLUNG auszugehen. Die Einzahlung wurde nämlich zuvor erstmal AUSBEZAHLT.

Die Geschäftsbank kann auf ihre eigenen bei der Zentralbank genommenen Kredite bis zum 50fachen an Geschäftsbankgeld schöpfen. Ob da mal was ausgezahlt und später wieder eingezahlt wird, ist nur insofern von Belang, dass sie auf Zentralbankgeld angewiesen ist, und sie deswegen Geschäftsbankgeld positiv verzinst.

Die multiple Geldschöpfung entspricht also nicht dem tatsächlichen Bankenverhalten. Das mag wohl vor 1957 anders gewesen sein.

F) Die Verselbstständigung des Systems ergibt sich eben nicht, wie im Film dargestellt, aus der Kreditverzinsung und Mehrfachansprüche auf Zentralbankgeld, sondern durch die Guthabenverzinsung und damit notwendige Kreditausweitung (=Neuschuldnersuche). Es gibt auch keine Zinseszinsen auf Kredite, sondern nur auf Sparguthaben.

Gruß!

P.S.: Ähnliche Fehldarstellungen gibt es auch beim Film „Fabian – Gib mir die Welt plus 5 Prozent“.

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